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Löhne steigen stärker als Preise

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Löhne steigen stärker als Preise

Report (02/2016)
Report (02/2016) ver.di Report (02/2016)  – Löhne steigen stärker als Preise

 
ver.di-Mitglieder bewerten Tarif-Ergebnis
„Ohne Warnstreiks hätten sich Arbeitgeber nicht bewegt“

Drei Runden und viele Aktionen der Beschäftigten hat die Tarifrunde für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes gebraucht, bis ein Ergebnis auf dem Tisch lag: 2,4 Prozent mehr Geld rückwirkend zum 1. März 2016 und 2,35 Prozent mehr vom 1. Februar 2017 an, eine sichere Altersversorgung und endlich eine neue Entgeltordnung. Bis Ende Mai waren nun die ver.di-Kolleginnen und ver.di-Kollegen in den Betrieben an der Reihe, das Tarifergebnis zu bewerten: Bei dieser Mitgliederbefragung ergab sich eine Zustimmung von 78 Prozent. Die Bundestarifkommission folgte diesem Votum und nahm das Tarifergebnis mit großer Mehrheit an. Damit sind die Tarifverhandlungen endgültig abgeschlossen.

„Es geht um das Gesamtpaket: Für Beschäftigte, die unter den Tarifvertrag öffentlicher Dienst (TVöD) fallen, wurde eine neue Entgeltordnung vereinbart. Sie bringt für einen großen Teil aller Berufe im öffentlichen Dienst eine finanzielle Aufwertung.

Die Tarifvertragsparteien hatten mehrere Jahre über die Neubewertung von 1088 der rund 4000 Tätigkeitsmerkmale verhandelt und sich verständigt, die entstehenden Mehrkosten paritätisch aufzubringen. Die Gewerkschaften stimmten zu, die Jahres-Sonderzahlung nach § 20 TVöD-VKA für drei Jahre einzufrieren und von 2017 an um vier Prozentpunkte abzusenken – um Mehrkosten der Arbeitgeber hälftig zu kompensieren. Zur Einschränkung von sachgrundlosen Befristungen konnte keine Einigung erzielt werden.

Und die Betriebsrente wurde gesichert. Hiervon profitieren die Beschäftigten, die unter den TVöD fallen ebenso wie die Kolleginnen und Kollegen, für die der Tarifvertrag Versorgung (TV-V) gilt. Ohne Frage – die Betriebsrente des öffentlichen Dienstes, die Zusatzversorgung, treibt die Beschäftigten um. Sie wissen, dass die Zusatzversorgung ein wichtiges Standbein der Altersvorsorge darstellt. Die Leistungen der Zusatzversorgung dürfen nicht schrumpfen – denn sie schützen vor Altersarmut, machen sie doch bis zu einem Drittel der Altersbezüge aus. Leistungskürzungen, wie sie die Arbeitgeber im Visier hatten, kommen unter den Beschäftigten nicht gut an. Dieses Anliegen der Arbeitgeber wurde abgewehrt – auch dank der Aktionen, Kundgebungen undWarnstreiks, die die Tarifverhandlungen begleiteten, an denen sich bundesweit über 100 000 Kolleginnen und Kollegen beteiligten.

Bis zuletzt hatten die Verhandlungspartner um eine Lösung für die betriebliche Altersversorgung gerungen. Dabei konnte eine Rentenkürzung verhindert werden. Der für eine zehnjährige Laufzeit gefundene Tarifkompromiss sieht vor, dass bei Kassen, bei denen finanzieller Handlungsbedarf besteht, ein zusätzlicher Arbeitnehmer-Eigenbeitrag in Höhe von bis  zu 0,4 Prozent eingeführt wird. Im gleichen Umfang haben die Arbeitgeber einen Zusatzbeitrag zu leisten. Sofern Überschüsse entstehen, werden die Beiträge für beide Seiten gesenkt. Für die VBL-Ost gelten wegen der anderen Finanzierung andere Sätze, die aber eine gleiche Nettobelastung bedeuten.

„Das Ergebnis ist ein Kompromiss, der die Reallöhne deutlich erhöht, die Kaufkraft stärkt und dazu beiträgt, den öffentlichen Dienst in Deutschland attraktiver zu machen“, betont der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Helmut Lorenz, Mitglied der Tarifkommission TV-V, ist sich sicher: „Dass von uns viele so aktiv waren, dass viele von uns auf die Straße gingen, hat die Position der Verhandlungskommission gestärkt.“ Jürgen Hager von den Stadtentwässerungsbetrieben Köln meint: „Unsere Entgelte steigen stärker als die Preise. Das hilft.“. [...]

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Dieses und weitere Themen
im aktuellen Report (02/2016)