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Mehr Kraft für die Pflege!

Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

Wir wehren uns! Mehr Kraft für die Pflege!

Kircheninfo (28/2016)
Kircheninfo (28/2016) ver.di Kircheninfo (28/2016)  – Mehr Kraft für die Pflege!

Es gleicht einem Gruselkatalog, was die diakonischen Unternehmer in ihre zentrale Arbeitsrechtliche Kommission in Gestalt von 18 Anträgen eingebracht haben. ver.di lehnt aus gutem Grund eine Beteiligung an dieser Kommission ab (dazu mehr in unserem aktuellen Kirchen. info spezial: Abschalten. Jetzt!). Dennoch lohnt es sich, den Blick auf die Vorstellungen der Diakonie-Arbeitgeber zu richten. Denn: Widerstand ist angebracht!

Durchgesetzt werden soll unter anderem:

  • eine Eigenbeteiligung an der Zusatzversorgung
  • eine eigenständige Lohntabelle für die Altenpflege, die natürlich die bisher gültige Tabelle unterschreitet
  • weitere Sonderregelungen, genannt »Anpassungen für einzelne Bundesländer«
  • kaum zu glauben: die Wiedereinführung der Ost/West-Differenzierung in den Entgelttabellen
  • die Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden wöchentlich, (bedeutet zugleich eine Erhöhung der Arbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte ohne Entgelterhöhung).

Allgemeine Lohnerhöhungen dagegen: Fehlanzeige.

Die Begründung der Arbeitgeberseite ist so schlicht wie falsch: Die Angebots- und Arbeitsmärkte erforderten eine notwendige Anpassung und Flexibilisierung, heißt es da. Und natürlich wird erneut mit den »Märkten« argumentiert, da ansonsten weitere Arbeitsplätze verloren gingen.

Pikant am Rande: Die so genannten Dienstnehmervertreter/innen, also diejenigen, die vorgeben, die Interessen großer Bereiche der Arbeitnehmerschaft in der Diakonie zu vertreten, halten sich bedeckt. Es gibt keine Öffentlichkeitsarbeit, schon gar keine betriebliche Diskussionen über die skandalösen Vorhaben der diakonischen Unternehmer. Rein zufällig erfahren die Beschäftigten, dass ihre Arbeitsbedingungen strukturell und nachhaltig verschlechtert werden sollen. Wer sich das Antragspaket der diakonischen Arbeitgeber zu Gemüte führen mag: Es liegt der Redaktion Kirchen.info vor und wird gerne zur Verfügung gestellt.

Berücksichtigt man die Tatsache, dass rund 70 Prozent der Arbeitnehmer/innen in der Diakonie (natürlich nicht nur dort) Teilzeitbeschäftigte und meist Frauen sind, bleibt abschließend nur die Bewertung: Die Absichten der Diakonie-Arbeitgeber sind zynisch. Wir wissen, dass die gegenwärtigen Entgeltbedingungen besonders in der Altenpflege direkt in die Altersarmut führen. Weitere Fakten hierzu auch im Beitrag "Kirche prekär" auf der nächsten Seite.

Hier hilft nur eines: Die Spitzen der bundesdeutschen Wohlfahrtsbranche mit ihren Arbeitgeberverbänden sind aufgefordert, gemeinsam mit ver.di einen Tarifvertrag für die Altenpflege auszuhandeln, der für allgemeinverbindlich erklärt werden kann. Verbandsinteressen, wie das Beharren auf dem kirchlichen Sonderweg im Arbeitsrecht, sollten der Vergangenheit angehören. Die Beschäftigten in der Altenpflege haben das ver.dient.

Allerdings, die Erfahrung zeigt: Es wird sich nichts von selbst in diese Richtung bewegen.
Deshalb: Mitmachen am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflegenden. Pflege steht auf.
Bundesweite Aktion Überstundenberg

Eure Kirchen.info-Redaktion